Rede vom 08. November 2006
Wettbewerb des Verbands Privater Bauherren (VPB) 2006
"Die transparente Bau- und Leistungsbeschreibung"
Laudatio
von Rechtsanwalt Martin W. Huff, Vorsitzender der Wettbewerbsjury
Der Verband Privater Bauherren (VPB) hat mit dem Wettbewerb "Die transparente Bau- und Leistungsbeschreibung" neue Wege beschritten.
Die Idee, einmal eine Bau- und Leistungsbeschreibung "das Buch mit sieben Siegeln" für viele Bauherren, kritisch unter die Lupe zu nehmen kann aus Sicht der Jury des Preises nur sehr gelobt werden.
Doch wie reagiert die Branche der Bauunternehmen und Bauträger auf das Vorhaben, dies war die große Frage.
Der VPB hat den Preis kräftig beworben, unter anderem mit Anzeigen in der FAZ und "Die Welt" aber auch mit einer Pressemitteilung und im Internet.
Der Wettbewerb stieß durchaus auf Interesse, was viele Anrufe in der Geschäftsstelle bewiesen haben. Doch getraut, ihre Unterlagen einzureichen haben sich dann im Ergebnis doch "nur" 22 Unternehmen. Liegt das vielleicht daran, dass viele Bauunternehmen doch ihren eigenen Beschreibungen nicht trauen, die Schwächen kennen und die Sorge hatten, sich einer unabhängigen Prüfung zu unterziehen?
Der VPB und die Jury haben dies nicht nachprüfen können und haben uns intensiv mit den 22 Beschreibungen befasst, die einen dicken Leitzordner füllen.
Ein erster Blick auf die gesamten Beschreibungen zeigt:
Das was wir Juristen "Transparenzgebot", etwa bei der Formulierung Allgemeiner Geschäftsbedingungen nennen, und was die Rechtsprechung immer deutlicher einfordert, ist bei vielen Baubeschreibungen bei weitem noch nicht erfüllt. Es fehlten bei vielen klare Gliederungen, eine optische Aufbereitung und eine inhaltliche Stringenz.
Wie sind wir bei der Auswahl vorgegangen?
Der VPB hat Gott sei Dank hier hervorragende Vorarbeit geleistet. Es hat eine Vorprüfung durch zwei Architekten und einen Juristen gegeben, was uns die Arbeit sehr erleichtert hat, denn wir konnten hier schon erste Hinweise auf Vor- und Nachteile der eingereichten Unterlagen entnehmen.
Doch wie bewertet man eine Bau- und Leistungsbeschreibung:
In der Jury-Sitzung vom 1. Juli 2006 haben wir uns zunächst Gedanken über die Kriterien gemacht. Dabei kamen die unterschiedlichen Vorverständnisse zum Vorschein, hier aber in einem ausgesprochen positiven Licht: Jeder konnte aus der Sicht des Architekten, des Juristen, des mit Bauen befassten Ministeriums und des Journalisten seinen Teil dazu beitragen.
Daraus entwickelte sich eine sehr lebhafte Diskussion, bei der schnell Einigkeit über die meisten Fragen erzielt wurde. Dies hat man in einer Jury nicht immer und zeigt die gute Hand der Geschäftsführung bei der Auswahl der Kolleginnen und Kollegen in der Jury.
Im Vordergrund stand für uns die Frage: "Kann der Bauherr aufgrund der Beschreibung sein Risiko wirklich erkennen?". Diese Frage haben wir beantwortet durch die Prüfung folgender Faktoren:
- wie sind die Aussagen zum Baugrund?
- wer trägt die Verantwortung für baurechtliche Fragen?
- wie werden Fragen der Baulage/der Nachbarn dargestellt?
- wie sehen die Aussagen zur Wohnfläche aus, wie genau sind diese Angaben?
- wie sehen die Aussagen zur Energie aus?
- wie sieht die Elektroausstattung aus?
- wie ist allgemein die Beschreibung der Materialien und der Qualität der Baustoffe?
- wie ist die Baudokumentation aufbereitet?
- wie und welche Änderungsklauseln gibt es?
Zusammengefasst kann man folgendes sagen: Für uns stand die Vollständigkeit und die Eindeutigkeit im Vordergrund für eine transparente Baubeschreibung.
Legt man diesen Maßstab an, dann schieden direkt viele Baubeschreibungen aus, weil sie die Anforderungen bei weitem nicht erfüllten. Nicht nur Schreibfehler, inhaltliche Fehler fielen uns auf, sondern gerade die Punkte der überprüfbaren Aussagen zur Ausstattung, zur Wohnfläche und zum Umfeld zeigten, dass hier oft versucht wird, viele Risiken auf den Bauherren zu verlagern und dieser genau dies oftmals überhaupt nicht erkennen kann. Denn man muss sich schon sehr genau (ich meine hier: viel zu genau) mit den Tücken einer Baubeschreibung befassen, um sie richtig lesen zu können. Ohne Beratung, dies hat die Beschäftigung mit den Bauschreibungen eindeutig gezeigt, geht hier nichts – und dies ist eigentlich schade.
Nach weiterer mehrstündiger Beratung haben wir uns doch auf einen aus unserer Sicht eindeutigen Sieger geeinigt.
Mit der Preis des VPB für "Die transparente Baubeschreibung 2006" zeichnen wir aus:
Die Firma Denkinger GmbH aus Jungingen.
Die Bau- und Leistungsbeschreibung dieses Unternehmens besticht durch ihre Sachlichkeit und Klarheit. Alle wesentlichen Beschreibungen sind zu Beginn der Beschreibung verständlich zusammengefasst. So beginnt etwa die Beschreibung schon klar und deutlich mit den "Serviceleistungen", die auch klar sagen, was nicht oder nur gegen Aufpreis erbracht wird.
Die Beschreibung verzichtet auf werbliche Aussagen, trennt für den Laien klar zwischen Standardleistungen und Zusatzleistungen, die zusätzlich zu bezahlen sind. Sie benennt konkret die Markennamen der verwendeten Produkte, macht konkrete Qualitätsaussagen. Sie beschreibt auch detailliert die Mitwirkungsrechte und auch –pflichten des Bauherrn, etwa bei der Festlegung der Montagepunkte von Steckdosen (deren Bedeutung viele Bauherren erst hinterher erkennen). Es sind die bautechnischen Angaben sehr genau, es wird eine Detailplanung im guten Maßstab von 1:50 übergeben und auch Aussagen zur Bauzeit fehlen nicht.
Das zusammenfassende Urteil der Jury: Hoch seriös bis ins Detail.
Zum Schluss: Der Preis, den der VPB heute verleiht, ist ein undotierter Preis. Denn ein privater Verband kann nicht Preisgelder vergeben, die wirklich attraktiv für die Unternehmen wären. Aber: Das Unternehmen – in diesem Fall die Ralf Denkinger GmbH darf ein Jahr lang mit dem Preis werben. Dies ist – so hofft die Jury – ein Anreiz für Unternehmen, sich in Zukunft an den Wettbewerben des VPB zu beteiligen.
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Bilder von der Preisverleihung
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